Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheser 5,9

 



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City-Kirche/Offene Kirche  "Suchet der Stadt Bestes."

Von England her über Holland nach Deutschland kommend, haben seit Mitte der 1980er Jahre in zahlreichen Städten City-Kirchen von sich reden gemacht.
Was steckt dahinter?

In den meisten europäischen Stadtzentren trifft man auf dasselbe Bild: Die grossen Kathedralen stehen nach wie vor dort, wo sie einst gut besucht wurden, in ehemals dicht bevölkerten Quartieren. Ihre Erhaltung jedoch wird heute für die immer kleiner werdenden Kirchgemeinden zur finanziellen Belastung. So sind in England und Holland, wo die Kirchgemeinden auf freiwillige

Spenden angewiesen sind, bereits zahlreiche Gotteshäuser aufgegeben, einer neuen Nutzung (Parkhaus, Museum etc.) zugeführt oder gar abgerissen worden.

City-Kirche
Das Modell "City-Kirche" will diese Entwicklung aufhalten; es will einen anderen Weg aufzeigen. City-Kirchen positionieren sich selbstbewusst im städtischen Gefüge von Angebot und Nachfrage. Neben Konsum- und Musentempeln, neben Repräsentationsbauten politischer Macht treten die City-Kirchen als Gotteshäuser für die Unverfügbarkeit des Menschen ein: Der Mensch ist gerade dadurch Mensch, dass er nicht sich selbst gehört, sondern Gott, der alle Menschen zu Brüdern und Schwestern macht.

City-Kirchen gibt es in ganz unterschiedlichen Versionen, je nach Situation vor Ort. Jede einzelne ist ein Unikat. Gemeinsam ist den City-Kirchen, dass sie werktags geöffnet sind. Dies ermöglicht den heute noch immer in ihrer Freiheit bedrohten Zeitgenossen/ -innen die ganze Woche hindurch mitten in der Stadt einen Raum zu finden, in dem sie ganz zu sich selbst kommen können. Mit Ausstellungen, Konzerten, Events möchte die City-Kirche eine in die ganze Stadt ausstrahlende Plattform schaffen für den Dialog unterschiedlicher Versuche zur Sinngebung des Lebens. Sie möchte auf diese Weise auch Themen zur Sprache bringen, die in unserer Gesellschaft keine Stimme haben.

Offener St. Jakob
Die City-Kirche "Offener St. Jakob": Wenige Monate nachdem ich mein Amt in der Kirchgemeinde Aussersihl angetreten hatte, sprach sich das Zürcher Stimmvolk in einer zweiten Abstimmung für die definitive Schliessung des Quartiers und Kulturzentrums Kanzlei aus. Der Besuch der alljährlichen Konferenzen für Stadtkirchenarbeit sensibilisierte mich für die Möglichkeiten einer so zentral gelegenen, grossen Kirche. Ermutigt durch praktische Erfahrungen in der Kirche zu St. Peter in Zürich und der Stadtkirche in Winterthur war es meine Vision, dass der "Offene St. Jakob" in die Lücke springen und einem Teil der heimatlos gewordenen, kulturellen Initiativen Raum bieten könnte. Um auch Mitglieder anderer Religionen und Konfessionen sowie religionslose Menschen zum Mitgestalten zu animieren, wurde der Verein "Forum Offener St. Jakob" gegründet. Eine enorme Belebung der Kirche zu St. Jakob war die Folge. Durch eine Vielfalt von Aktivitäten hat sie sich einen Platz im Bewusstsein der in der Stadt Zürich lebenden Menschen geschaffen.

Die Kirchenpflege Aussersihl hat nach und nach die Chancen der City-Kirche "Offener St. Jakob" erkannt und deren Grundsätze zu ihrem eigenen Programm gemacht. "Suchet der Stadt Bestes." lautet das Motto der City-Kirchen - dann wird auch die Stadt sich für die Erhaltung der Gotteshäuser begeistern können. Die Zukunft wird zeigen, ob sich dieses Credo in Zürich-Aussersihl tatsächlich bewahrheiten wird.

Pfarrer Anselm Burr

 

 
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